Barbara Dieth

Kunsthistoriker
Galerie Bruno Bischofberger

Schon seit früher Kindheit bestimmen Farben Michelle Birds Leben: glühendrote Lava, schwarzer Sand, tiefblauer Himmel, türkisblaues Meer auf Hawaii, wo sie 1965 das Licht der Welt erblickt. Später dann in Kalifornien erlebt sie das gedämpfte Rot der Redwoods, das blasse Gelb des Steppengrases, das kalte Blau und die weisse Gischt des Atlantiks, die warmen Brauntöne der Sierra und den mystischen Nebel, der jeweils von der Bucht San Franciscos ins Landesinnere wandert. Die sonnengetränkten Orte, an denen Michelle aufgewachsen ist, haben sicherlich massgeblich ihre positive Lebensenergie sowie ihr mitreissendes Temperament geprägt. Ihre Gemälde leuchten, einem Feuerwerk gleich, in allen nur erdenklichen Farben. Es entfaltet sich ein Fest der Sinne und niemand bleibt von der Wirkung dieser Farblandschaften unberührt. Die Kompositionen bekommen durch den pastosen Farbauftrag eine plastische tektonische Wirkung. Bei intensiverer Betrachtung üben diese Farbenexplosionen gar eine Sogwirkung aus. Spannung innerhalb der Kompositon entsteht durch gekonntes nebeneinandersetzen von hellen zu dunklen Tönen, von Elementaroder Komplementärfarben. Die Gemälde wirken abstrakt, doch scheinen bei längerem Hinsehen Figuren auf; ist dies Zufall oder Absicht? Bildtitel wie „Überschwänglichkeit“, „Aufbrausen“ oder „Äther“ deuten daraufhin, dass beim Schaffensprozess Befindlichkeiten und Bewusstseinszustände eine wichtig Rolle spielen.

Sie gehe jeweils ohne fixe Vorstellungen an eine leere Leinwand heran und beginne zu einem bestimmten Thema assoziativ zu malen, erläutert die Künstlerin. Konzentration und totale Hingabe, die in einen meditativen Zustand führen können, sind bei Michelle Birds künstlerischer Arbeit zentrale Elemente. Auch Musik ist ihr förderlich, um in den kreativen Fluss zu gelangen. Wichtige Impulse hat die Künstlerin während ihres Studiums an der Rietveld Kunstakademie in Amsterdam durch ihren Mentor, den bekannten Künstler Anton Martineau erhalten. Stilelemente der "Volkskunst sowie kindlich-naive Techniken verbanden sich in ihren Werken mit abstrakt-figurativen Farb- und Formgebungen. Ebenso zeichnen sich Michelle Birds Gemälde durch abstrakt-expressive Merkmale mit Schwerpunkt auf der Farbkompositon aus, wobei das figurative Element weniger eine Rolle spielt.

Die Werke von Michelle Bird sind in privaten wie öffentlichen Kunstsammlungen in den USA, den Niederlanden sowie bei der AXA Versicherungsgesellschaft und der SEC Communications vertreten. 

Seit 2004 lebt und arbeitet Michelle Bird in Winterthur. In Amsterdam, wo sie längere Zeit verbrachte, war die Kunst Teil des Lebens und keine elitäre, unnahbare Angelegenheit wie hierzulande. 2007 ruft sie deshalb in Winterthur, ihrer neuen Heimatstadt, die „Open Doors“, ein Wochenende, an dem die Winterthurer Künstler ihre Ateliers zum freien Besuch öffnen, ins Leben. 2008 publiziert sie begleitend dazu das MAP Magazine. Dies ist ein Führer, der die Vielfalt des Kunstschaffens in dieser Stadt aufzeigen und interessierte Kreise zu den Brutstätten des kreativen Arbeitens lotsen soll. Eine Website trägt ausserdem dazu bei, die Künstler in Sachen Marketing zu unterstützen und sie zur gegenseitigen Vernetzung zu animieren

Das Motto„Yes, we can!“ zieht sich sowohl durch Michelle Birds künstlerisches Schaffen wie auch durch ihrganzes Sein und ihre Aktivitäten zum Wohl der Kunst.